Diversifikation ist eines dieser Wörter, denen fast jeder zustimmt. Bis die Rechnung kommt.
Wenn ein Exportmarkt schwieriger wird, lautet die Empfehlung schnell:
Neue Märkte erschliessen.
Richtig.
Nur entstehen diese Märkte nicht kostenlos.
Die Ausgangslage für Schweizer Exporteure ist aktuell anspruchsvoll.
Im ersten Quartal 2026 sanken die Schweizer Exporte saisonbereinigt um 4,2 Prozent auf CHF 66,9 Milliarden. Die Ausfuhren nach Nordamerika gingen deutlich zurück. Die Exporte in die USA lagen 15,6 Prozent unter dem Vorquartal.
Seit 24. Juli gelten zudem bei zahlreichen Schweizer Waren neue US-Zölle.
Damit wird Diversifikation vernünftig.
Aber sie benötigt Kapital.
Ein neuer Markt kann andere Zertifizierungen verlangen.
Andere Produkte.
Andere Verpackungen.
Neue Logistik.
Lagerbestände.
Vertrieb.
Servicekapazitäten.
Vielleicht zusätzliche Maschinen.
Deshalb ist Marktdiversifikation auch eine Frage der Bilanz.
Ein Unternehmen, das sämtliche verfügbare Liquidität langfristig in Assets gebunden hat, besitzt weniger strategischen Spielraum.
Das heisst nicht, dass Eigentum falsch wäre.
Es heisst nur, dass Kapitalbindung einen Preis hat, der manchmal erst sichtbar wird, wenn sich eine neue Chance oder ein neuer Zwang ergibt.
Diversifikation kostet Geld.
Aber Konzentration kostet ebenfalls.
Nur zu einem Zeitpunkt, den man vorher nicht kennt.