Nachhaltigkeit muss für Schweizer KMU kein Investitionsschock sein.
ESG leidet unter einem Kommunikationsproblem.
Der Begriff klingt nach Berichten, Regulierung, Beratern und neuen Pflichten.
Für einen mittelständischen Produktionsbetrieb ist Nachhaltigkeit aber häufig sehr viel konkreter.
Wie viel Strom verbraucht die Maschine?
Wie viel Treibstoff benötigt das Fahrzeug?
Wie oft muss eine Anlage gewartet werden?
Wie lange kann die Hardware sinnvoll genutzt werden?
Das Bundesamt für Energie weist seit Jahren darauf hin, dass in Schweizer Unternehmen weiterhin wirtschaftliche Energieeffizienzpotenziale bestehen. Es nennt Produktionsprozesse, Maschinen und technische Anlagen ausdrücklich als Ansatzpunkte und sieht höhere Energieeffizienz auch als Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig wächst der Druck ausserhalb der eigentlichen Regulierung.
KPMG beschreibt, dass Schweizer KMU zunehmend strukturierte Nachhaltigkeitsinformationen bereitstellen müssen. Die Anfragen kommen von Grosskunden, Banken, Geschäftspartnern und Anlegern. Damit entwickelt sich ESG-Berichterstattung teilweise zur Markterwartung, auch wenn ein KMU rechtlich nicht direkt berichtspflichtig ist.
Das verändert die Investitionslogik.
Ein Bauunternehmen muss nicht morgen seine gesamte Flotte und alle Baumaschinen ersetzen.
Es kann beim nächsten Ersatzentscheid beginnen.
Welche Alternative verbraucht weniger?
Welche liefert bessere Daten?
Welche verursacht über die Nutzungsdauer tiefere Betriebskosten?
Welche verbessert vielleicht zugleich die Position bei einer Ausschreibung?
Finanzierung kann diese Etappierung unterstützen.
Gerade wenn eine effizientere Variante höhere Anschaffungskosten hat, lohnt es sich, Investitions- und Betriebskosten über denselben Zeitraum zu betrachten.
Vielleicht braucht der Schweizer Mittelstand deshalb weniger ESG-Grossprogramme.
Und mehr Investitionsentscheide, bei denen Ökologie und Ökonomie endlich in derselben Excel-Tabelle stehen.