Nichtstun ist auch eine Investitionsentscheidung. Nur ohne Investitionsantrag.
«Wir warten noch.»
Es ist vermutlich einer der vernünftigsten Sätze, die man 2026 in einer Schweizer Geschäftsleitung sagen kann.
Und einer der gefährlichsten.
Die Gründe für Vorsicht sind real. Das SECO hat seine Wachstumsprognose für 2026 gerade auf 1,7 Prozent erhöht. Gleichzeitig warnt der Bund weiterhin vor geopolitischen Konflikten, hohen Energiepreisen und handelspolitischer Unsicherheit.
Interessant ist deshalb die KOF-Investitionsumfrage. Schweizer Unternehmen planen für 2026 nominal 10,2 Prozent mehr Investitionen als 2025. Bei den Ausrüstungen beträgt das erwartete Plus 7 Prozent. 85 Prozent der investierenden Unternehmen wollen bestehende Anlagen ersetzen. Gleichzeitig liegt die Realisierungssicherheit unter ihrem langfristigen Durchschnitt. In der Industrie ist die Unsicherheit sogar so hoch wie seit 2020 nicht mehr.
Das ist kein Widerspruch.
Es ist wahrscheinlich die neue Normalität.
Unternehmen müssen investieren, obwohl sie weniger Sicherheit über die Zukunft haben.
Der Fehler besteht deshalb darin, Investieren als aktive Risikoposition und Abwarten als neutrale Position zu betrachten.
Eine ältere Anlage belastet vielleicht weiterhin das Wartungsbudget. Sie verbraucht Energie. Sie begrenzt Kapazität. Vielleicht erzeugt sie mehr Ausschuss oder benötigt mehr manuelle Arbeit.
Diese Kosten stehen nur selten gemeinsam in einem Investitionsantrag.
Darum würde ich bei einer verschobenen Investition immer eine zweite Rechnung verlangen.
Nicht nur: Was kostet die neue Maschine?
Sondern auch: Was kostet uns die bestehende Maschine, wenn wir sie weitere 24 Monate betreiben?
Und wenn der Kapitaleinsatz das Hindernis ist, sollte man nicht automatisch die Investition verschieben.
Man kann auch ihre Finanzierung verändern.
Unsicherheit verlangt nicht zwingend weniger Investitionen.
Sie verlangt bessere.