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Autor: Malte

ESG-Regulierung trifft KMU früher als gedacht

Sie sind vielleicht nicht berichtspflichtig. Ihr grösster Kunde ist es womöglich schon.
Viele KMU betrachten ESG-Regulierung zunächst juristisch.
Fallen wir unter die Schwellenwerte?
Müssen wir einen Bericht erstellen?
Gibt es eine gesetzliche Pflicht?
Das sind richtige Fragen.
Wirtschaftlich sind sie aber nicht vollständig.
Denn Regulierung wirkt in einer Wertschöpfungskette nicht nur auf das Unternehmen, das formal erfasst wird.
KPMG beobachtet, dass Schweizer KMU zunehmend strukturierte ESG-Informationen liefern müssen. Anfragen kommen insbesondere von Grosskunden, Banken und Geschäftspartnern. Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt sich damit teilweise zu einer Markterwartung, obwohl das einzelne KMU selbst nicht direkt einer umfassenden gesetzlichen Berichtspflicht unterliegt.
Parallel befindet sich auch die Schweizer Regulierung in Bewegung.
Der Bundesrat hat am 1. April 2026 beschlossen, einen Entwurf für ein neues Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung in die Vernehmlassung zu geben. Der Vorschlag orientiert sich stärker an den internationalen und europäischen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig will der Bundesrat KMU ausdrücklich vor übermässigen Anforderungen schützen.
Für ein KMU entsteht daraus eine interessante Konsequenz.
Die relevanteste ESG-Frage lautet vielleicht nicht:
«Welche Vorschrift gilt für uns?»
Sondern:
«Welche Informationen benötigt unser wichtigster Kunde in drei Jahren von uns?»
Eine Produktionsanlage, die heute beschafft wird, läuft vielleicht zehn Jahre.
Kann sie Energieverbrauch erfassen?
Kann sie Produktionsdaten strukturiert liefern?
Wie effizient arbeitet sie?
Welche Nachweise über Materialien und Prozesse sind verfügbar?
Investitionsentscheidungen definieren damit einen Teil der künftigen Berichtsfähigkeit.
Leasing oder andere nutzungsorientierte Modelle können Modernisierung ermöglichen, ohne die gesamte Investitionslast sofort in die Liquidität zu legen.
ESG-Regulierung beginnt für ein KMU deshalb möglicherweise nicht mit dem Gesetz.
Sondern mit der nächsten Ausschreibung.

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Nach dem KI-Pilot kommt die schwierige Phase

Der KI-Pilot ist der einfache Teil.
Eine gute Demo kann man inzwischen an einem Nachmittag bauen.
Ein Dokument zusammenfassen.
Eine E-Mail generieren.
Eine Excel-Datei analysieren.
Einen Chatbot auf ein paar PDFs setzen.
Dann beginnt die schwierige Phase.
Produktiver Betrieb.
Eine aktuelle Schweizer Erhebung zeigt diese Lücke sehr deutlich.
55 Prozent der Unternehmen setzen KI bereits gezielt in mindestens einem Geschäftsbereich ein.
31 Prozent befinden sich weiterhin in der Pilotphase.
Und nur 9 Prozent berichten davon, dass KI ihr Geschäftsmodell verändert hat.
Das Problem ist also nicht mehr der Zugang zur Technologie.
Es ist die Organisation darum herum.
Welche Daten sind verlässlich?
Welche Prozesse dürfen automatisiert werden?
Wo muss ein Mensch freigeben?
Wer kontrolliert Qualität?
Welche Systeme sind angebunden?
Welche Rollen brauchen neue Kompetenzen?
Wie messen wir den wirtschaftlichen Nutzen?
Hinzu kommt die Infrastruktur.
Datenqualität und Datensilos gehören laut derselben Erhebung zu den grössten Hindernissen. Sicherheits- und Datenschutzbedenken folgen direkt dahinter.
Damit wird 2026 vermutlich zum Jahr nach der KI-Begeisterung.
Jetzt muss die Technologie in Prozesse.
Das kostet.
64 Prozent der von Deloitte befragten Schweizer CFOs rechnen deshalb mit deutlich steigenden Technologie- und IT-Ausgaben.
Ein Pilot beantwortet die Frage: Kann die Technologie das?
Skalierung beantwortet eine viel schwierigere:
Kann unser Unternehmen damit zuverlässig, sicher und wirtschaftlich arbeiten?

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ESG ohne Investitionsschock

Nachhaltigkeit muss für Schweizer KMU kein Investitionsschock sein.
ESG leidet unter einem Kommunikationsproblem.
Der Begriff klingt nach Berichten, Regulierung, Beratern und neuen Pflichten.
Für einen mittelständischen Produktionsbetrieb ist Nachhaltigkeit aber häufig sehr viel konkreter.
Wie viel Strom verbraucht die Maschine?
Wie viel Treibstoff benötigt das Fahrzeug?
Wie oft muss eine Anlage gewartet werden?
Wie lange kann die Hardware sinnvoll genutzt werden?
Das Bundesamt für Energie weist seit Jahren darauf hin, dass in Schweizer Unternehmen weiterhin wirtschaftliche Energieeffizienzpotenziale bestehen. Es nennt Produktionsprozesse, Maschinen und technische Anlagen ausdrücklich als Ansatzpunkte und sieht höhere Energieeffizienz auch als Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig wächst der Druck ausserhalb der eigentlichen Regulierung.
KPMG beschreibt, dass Schweizer KMU zunehmend strukturierte Nachhaltigkeitsinformationen bereitstellen müssen. Die Anfragen kommen von Grosskunden, Banken, Geschäftspartnern und Anlegern. Damit entwickelt sich ESG-Berichterstattung teilweise zur Markterwartung, auch wenn ein KMU rechtlich nicht direkt berichtspflichtig ist.
Das verändert die Investitionslogik.
Ein Bauunternehmen muss nicht morgen seine gesamte Flotte und alle Baumaschinen ersetzen.
Es kann beim nächsten Ersatzentscheid beginnen.
Welche Alternative verbraucht weniger?
Welche liefert bessere Daten?
Welche verursacht über die Nutzungsdauer tiefere Betriebskosten?
Welche verbessert vielleicht zugleich die Position bei einer Ausschreibung?
Finanzierung kann diese Etappierung unterstützen.
Gerade wenn eine effizientere Variante höhere Anschaffungskosten hat, lohnt es sich, Investitions- und Betriebskosten über denselben Zeitraum zu betrachten.
Vielleicht braucht der Schweizer Mittelstand deshalb weniger ESG-Grossprogramme.
Und mehr Investitionsentscheide, bei denen Ökologie und Ökonomie endlich in derselben Excel-Tabelle stehen.

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Fachkräftemangel heisst auch bessere Werkzeuge

Wir suchen Fachkräfte für Tätigkeiten, die vielleicht teilweise gar nicht mehr manuell erledigt werden müssten.
Die Diskussion über den Fachkräftemangel konzentriert sich verständlicherweise auf Rekrutierung.
Ausbildung.
Zuwanderung.
Löhne.
Employer Branding.
Alles relevant.
Aber es gibt noch eine zweite Seite.
Wie produktiv setzen wir die Menschen ein, die bereits da sind?
Im zweiten Quartal 2026 hatten 33,9 Prozent der Schweizer Unternehmen Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu rekrutieren. Gleichzeitig meldeten die Unternehmen 98’700 offene Stellen. Besonders im industriellen und baunahen zweiten Sektor nahm die Zahl offener Stellen deutlich zu.
In einem solchen Umfeld wird jede unnötige Arbeitsstunde teuer.
Zeit fürs Suchen.
Doppelte Dateneingaben.
Papierformulare.
Unnötige Fahrten.
Lange Rüstvorgänge.
Wartezeiten an alten Maschinen.
Das bedeutet nicht, dass Technologie den Fachkräftemangel «löst».
Aber sie kann seine Auswirkungen reduzieren.
Eine moderne Maschine kann einer Fachkraft mehr Output ermöglichen.
Eine digitale Einsatzplanung kann unnötige Fahrzeit reduzieren.
Ein gut ausgestattetes Servicefahrzeug kann verhindern, dass ein Techniker wegen eines fehlenden Teils zum Lager zurückfahren muss.
Genau deshalb sollten Investitionen in Arbeitsmittel nicht nur als Sachinvestitionen betrachtet werden.
Sie sind auch Personalstrategie.
Interessanterweise erwarten 64 Prozent der von Deloitte befragten Schweizer CFOs einen deutlichen Anstieg der Ausgaben für Technologie und IT.
Das ist vermutlich kein Zufall.
Wenn Menschen knapp werden, muss Kapital ihnen bessere Werkzeuge geben.
Die Frage für die Geschäftsleitung lautet deshalb nicht nur:
Wie viele Stellen sind unbesetzt?
Sondern:
Wie viele Arbeitsstunden könnten wir mit besseren Prozessen zurückgewinnen?

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Der starke Franken ist ein Produktivitätsprogramm

Der starke Franken ist vielleicht das älteste Produktivitätsprogramm der Schweizer Wirtschaft.
Er kommt ohne Förderantrag.
Ohne Projektleitung.
Und ohne Rücksicht auf das Jahresbudget.
In einer aktuellen Deloitte-Befragung nennen 68 Prozent der Schweizer CFOs den starken Franken als Belastung für die Margen. Personalkosten folgen mit 58 Prozent, Energie- und Rohstoffpreise mit 51 Prozent.
Auch Swissmem nennt für die Schweizer Tech-Industrie den starken Franken, US-Zölle und schwache Exportmärkte als wesentliche Herausforderungen des laufenden Jahres.
Ein exportorientiertes KMU hat darauf nur begrenzten Einfluss.
Es kann den Franken nicht schwächen.
Es kann einen US-Zoll nicht abschaffen.
Und es kann den Weltmarktpreis nicht diktieren.
Was es beeinflussen kann, ist seine eigene Produktivität.
Wie viele Arbeitsstunden stecken in einer Einheit?
Wie viel Energie?
Wie viel Ausschuss?
Wie viel Stillstand?
Wie viel Administration?
Genau deshalb sind Investitionen in Automatisierung und moderne Anlagen kein Luxus in guten Zeiten.
Sie können eine Antwort auf strukturellen Margendruck sein.
Natürlich muss jede Investition gerechnet werden.
Aber der Referenzwert sollte nicht nur der Kaufpreis sein.
Sondern auch die Kosten des bestehenden Prozesses.
Schweizer Unternehmen werden international selten über die tiefsten Löhne gewinnen.
Sie gewinnen über Qualität, Innovation und Produktivität.
Der starke Franken macht diese Wahrheit nur sichtbarer.

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Exportdruck und Zollrisiken

Die Laufzeit ist die unterschätzteste Zahl einer Investition.
Wenn Unternehmen investieren, diskutieren sie intensiv über Preise.
Sie vergleichen Zinssätze.
Sie verhandeln Spezifikationen.
Die Laufzeit erscheint häufig erst in der Finanzierungsrechnung.
Möglichst lang bedeutet tiefere Rate.
Das klingt vernünftig.
Bis sich der Markt schneller verändert als der Vertrag.
Schweizer Exporteure erleben genau das gerade sehr konkret.
Seit dem 24. Juli 2026 gelten bei zahlreichen Waren aus der Schweiz für die Einfuhr in die USA Gesamtzölle von bis zu 12,5 Prozent. Gleichzeitig bestehen sektorielle Sonderregelungen, unter anderem für Metalle und Pharmazeutika. Die Schweiz und die USA verhandeln weiterhin über ein Handelsabkommen.
Bereits im ersten Quartal 2026 waren die Schweizer Exporte saisonbereinigt um 4,2 Prozent gefallen. Besonders stark ging der Handel mit Nordamerika zurück.
Für ein exportorientiertes KMU ist die Konsequenz nicht, keine Investitionen mehr zu tätigen.
Die Konsequenz ist, deren Struktur ernster zu nehmen.
Angenommen, ein Zulieferer erhält einen grossen Auftrag und benötigt zusätzliche Produktionskapazität.
Dann sollte er vier Dinge miteinander vergleichen:
Die erwartete Auftragsdauer.
Die technische Nutzungsdauer.
Die wirtschaftliche Bindungsdauer.
Und das Szenario nach Ende des Auftrags.
Wenn die zusätzliche Kapazität acht Jahre finanziert wird, der Auftrag aber nach drei Jahren überprüft wird, besteht eine strukturelle Differenz.
Vielleicht ist sie vertretbar.
Vielleicht nicht.
Nur sollte sie bewusst sein.
Leasing kann in solchen Fällen die Möglichkeit eröffnen, wirtschaftliche Nutzungszyklen und Finanzierung stärker aufeinander abzustimmen.
Nicht jede kurze Laufzeit ist sinnvoll.
Aber die längste Laufzeit ist eben auch nicht automatisch optimal.
Eine Finanzierung ist letztlich eine Wette auf die Zukunft.
Die Laufzeit bestimmt, wie lange diese Wette läuft.

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Exportdiversifikation kostet Geld. Abhängigkeit auch.

Diversifikation ist eines dieser Wörter, denen fast jeder zustimmt. Bis die Rechnung kommt.
Wenn ein Exportmarkt schwieriger wird, lautet die Empfehlung schnell:
Neue Märkte erschliessen.
Richtig.
Nur entstehen diese Märkte nicht kostenlos.
Die Ausgangslage für Schweizer Exporteure ist aktuell anspruchsvoll.
Im ersten Quartal 2026 sanken die Schweizer Exporte saisonbereinigt um 4,2 Prozent auf CHF 66,9 Milliarden. Die Ausfuhren nach Nordamerika gingen deutlich zurück. Die Exporte in die USA lagen 15,6 Prozent unter dem Vorquartal.
Seit 24. Juli gelten zudem bei zahlreichen Schweizer Waren neue US-Zölle.
Damit wird Diversifikation vernünftig.
Aber sie benötigt Kapital.
Ein neuer Markt kann andere Zertifizierungen verlangen.
Andere Produkte.
Andere Verpackungen.
Neue Logistik.
Lagerbestände.
Vertrieb.
Servicekapazitäten.
Vielleicht zusätzliche Maschinen.
Deshalb ist Marktdiversifikation auch eine Frage der Bilanz.
Ein Unternehmen, das sämtliche verfügbare Liquidität langfristig in Assets gebunden hat, besitzt weniger strategischen Spielraum.
Das heisst nicht, dass Eigentum falsch wäre.
Es heisst nur, dass Kapitalbindung einen Preis hat, der manchmal erst sichtbar wird, wenn sich eine neue Chance oder ein neuer Zwang ergibt.
Diversifikation kostet Geld.
Aber Konzentration kostet ebenfalls.
Nur zu einem Zeitpunkt, den man vorher nicht kennt.

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Wer Unternehmer vertreibt, verliert mehr als Steuern

Unternehmer sind keine Steuerquelle auf zwei Beinen. Vermögen ist kein gesellschaftlicher Verdachtsfall. Und ein Staat wird nicht reicher, indem er diejenigen vertreibt, die Wohlstand schaffen.

Trotzdem wird wirtschaftlicher Erfolg zunehmend so diskutiert, als müsse er politisch gerechtfertigt werden.

Wer viel besitzt, soll mehr abgeben. Wer ein Unternehmen aufgebaut hat, soll beim Generationenwechsel nochmals bezahlen. Wer widerspricht, gerät schnell unter Rechtfertigungsdruck.

Die liberale Gegenfrage lautet: Was verliert ein Land eigentlich, wenn erfolgreiche Unternehmer und vermögende Familien gehen?

Die Antwort lautet: weit mehr als Steuereinnahmen.

Unternehmervermögen ist kein Geldhaufen

Das Vermögen eines Familienunternehmers liegt selten auf einem Bankkonto.

Es steckt in Unternehmen, Werkhallen, Maschinen, Patenten, Lagerbeständen und Beteiligungen. Es ist Eigenkapital. Es trägt Verluste, ermöglicht Kredite und finanziert Investitionen.

Deshalb trifft eine Vermögenssteuer nicht automatisch verfügbaren Luxus. Sie kann Kapital treffen, das im Unternehmen arbeitet.

Die Schweiz gehört zu den wenigen OECD-Staaten, die weiterhin eine allgemeine Vermögenssteuer erheben. Auch nicht kotierte Unternehmensbeteiligungen gehören grundsätzlich zum steuerbaren Vermögen, wobei die Kantone unterschiedliche Bewertungs- und Entlastungsregeln kennen. Die OECD weist ausdrücklich darauf hin, dass Vermögenssteuern bei illiquiden Vermögen zu Liquiditätsproblemen führen können.

Das Problem ist banal: Steuern müssen mit Geld bezahlt werden. Unternehmenswerte bestehen aber nicht zwingend aus Geld.

Wer einen Betrieb im Wert von CHF 50 Millionen besitzt, verfügt deshalb nicht automatisch über CHF 50 Millionen Liquidität.

Diese Unterscheidung geht in der politischen Debatte erstaunlich oft verloren.

Steuern verändern Verhalten

Die Schweiz kann das messen.

Eine im American Economic Journal: Economic Policy veröffentlichte Untersuchung analysierte Unterschiede zwischen den Kantonen. Das Ergebnis: Sinkt der kantonale Vermögenssteuersatz um einen Prozentpunkt, steigt das deklarierte steuerbare Vermögen nach sechs Jahren um mindestens 43 Prozent.

Rund 24 Prozent dieses Effekts erklären die Forscher mit der Mobilität der Steuerpflichtigen, rund 21 Prozent mit steigenden Immobilienpreisen. Für einen erheblichen Teil des verbleibenden Effekts finden sie Hinweise auf verändertes Deklarationsverhalten.

Die entscheidende Erkenntnis ist nicht, dass jeder Vermögende wegen einer Steuererhöhung den Kanton verlässt.

Sie ist viel einfacher:

Menschen reagieren auf Steuern.

Kapital auch.

Genau deshalb ist der Schweizer Steuerwettbewerb mehr als Standortmarketing. Kantone können Steuern erhöhen oder senken. Sie müssen aber mit den wirtschaftlichen Konsequenzen leben.

Macht wird dadurch begrenzt.

Das ist Föderalismus in seiner ökonomischsten Form.

Norwegen zeigt, wie mobil Unternehmer geworden sind

Norwegen erhöhte ab 2022 die Vermögensbesteuerung und verschärfte in den Folgejahren zusätzlich die Dividendenbesteuerung. Der Staat erhöhte insbesondere die Bewertung von Aktienvermögen und führte für grosse Vermögen einen höheren Satz ein.

Im selben Jahr meldeten sich laut norwegischen Bevölkerungsregistern mindestens 30 vermögende Unternehmer und Investoren ins Ausland ab. Besonders häufig führte der Weg in die Schweiz.

Norwegen verschärfte danach seine Wegzugsbesteuerung. Seit den Reformen soll insbesondere verhindert werden, dass während der norwegischen Steuerpflicht entstandene, noch nicht realisierte Aktiengewinne durch einen späteren Wegzug dauerhaft der norwegischen Besteuerung entzogen werden.

Man kann das steuerpolitisch unterschiedlich bewerten.

Aber die ökonomische Botschaft ist schwer zu übersehen:

Wenn ein Staat Regeln dafür braucht, wie viel Vermögen Menschen beim Wegzug noch besteuern müssen, ist Mobilität keine theoretische Gefahr mehr.

Frankreich zeigt, dass der Preis komplizierter ist als eine Steuerrechnung

Frankreich erhob bis 2017 mit dem ISF eine breite Vermögenssteuer.

Zwischen 2011 und 2016 kehrten nach Angaben von France Stratégie jährlich durchschnittlich rund 370 vermögenssteuerpflichtige Haushalte nach Frankreich zurück. Rund 950 verliessen das Land.

Nach dem Ersatz des ISF durch die enger gefasste Immobilienvermögenssteuer IFI änderte sich das Bild. Von 2018 bis 2021 standen durchschnittlich rund 380 Rückkehrern nur noch rund 260 Wegzüge gegenüber. France Stratégie warnt allerdings ausdrücklich davor, daraus eine simple Kausalität abzuleiten. Gleichzeitig kostete der Systemwechsel erhebliche direkte Steuereinnahmen. Für 2022 wurde der Unterschied auf rund 4,5 Milliarden Euro geschätzt.

Genau deshalb greift die übliche Debatte zu kurz.

Die relevante Frage lautet nicht:

Wie viel Steuer bringt ein Unternehmer dieses Jahr?

Sondern:

Wo befindet sich sein Kapital in zehn Jahren? Wo gründet die nächste Generation? Wo entsteht das nächste Unternehmen? Wo werden Beteiligungen erworben? Wo sitzt das Family Office? Wo entsteht eine Stiftung?

Diese Effekte tauchen in keiner kurzfristigen Steuerstatistik vollständig auf.

Grossbritannien liefert die notwendige Gegenprobe

Auch die liberale Argumentation sollte ihre Gegenbeispiele ernst nehmen.

Grossbritannien verschärfte 2017 die Regeln für langjährig ansässige Non-Doms. Das führte nach einer späteren HMRC-Auswertung tatsächlich zu zusätzlichen Wegzügen. Betroffene langjährige Non-Doms waren durch die Reform 10 bis 12 Prozent wahrscheinlicher ausgewandert.

Trotzdem blieben die meisten.

Und diejenigen, die blieben, bezahlten erheblich mehr Steuern. HMRC schätzt die zusätzlichen Einnahmen für die Steuerjahre 2018/19 und 2019/20 auf jeweils rund eine Milliarde Pfund gegenüber einem Szenario ohne Reform.

Das widerlegt eine zu einfache Behauptung:

Höhere Steuern führen nicht automatisch zu niedrigeren Steuereinnahmen.

Aber es beweist ebenso wenig, dass Mobilität irrelevant wäre.

Seit dem 6. April 2025 gilt in Grossbritannien ein grundsätzlich neues System. Die frühere Remittance Basis wurde durch ein auf Steuerresidenz basierendes Regime ersetzt, mit einer besonderen Vierjahresregel für qualifizierte neue Einwohner.

Die fiskalische Bilanz wird man messen können.

Die langfristige Bilanz für Investitionen, Unternehmensgründungen und Standortentscheidungen wird schwieriger zu messen sein.

Deutschland zeigt, was hinter dem Wort «Vermögende» steckt

Die öffentliche Debatte spricht gerne abstrakt von «den Reichen».

Die deutsche Unternehmensstruktur zeigt, wie irreführend das sein kann.

Nach einer 2025 veröffentlichten ZEW-Studie sind 88 Prozent der privaten Unternehmen in Deutschland familienkontrolliert. Sie beschäftigen 18,3 Millionen Menschen und damit 58 Prozent aller privatwirtschaftlich Beschäftigten. Die Studie wurde von der Stiftung Familienunternehmen herausgegeben, die zugrunde liegenden Unternehmensdaten stammen aus dem Mannheimer Unternehmenspanel.

Hinter grossen Privatvermögen stehen deshalb häufig keine anonymen Finanzportfolios.

Dahinter stehen Unternehmen.

Arbeitsplätze.

Fabriken.

Lieferanten.

Ausbildungsplätze.

Und Eigentümer, die über Jahrzehnte Verantwortung tragen.

Wer über die Besteuerung grosser Vermögen spricht, sollte deshalb zumindest fragen, welchen Teil dieses Vermögens man eigentlich besteuert.

Die JUSO-Initiative machte den Konflikt sichtbar

Die Schweizer Initiative «Für eine soziale Klimapolitik – steuerlich gerecht finanziert» verlangte eine eidgenössische Erbschafts- und Schenkungssteuer von 50 Prozent auf den Teil eines Nachlasses oder einer Schenkung oberhalb von CHF 50 Millionen.

Am 30. November 2025 lehnten 78,28 Prozent der Stimmberechtigten die Initiative ab. Kein Kanton stimmte zu.

Gerade bei grossen Familienunternehmen zeigte die Diskussion das Kernproblem jeder substanzbezogenen Besteuerung:

Der Unternehmenswert ist nicht identisch mit verfügbarer Liquidität.

Eine hohe Steuerforderung beim Generationenwechsel kann deshalb Liquidität, Beteiligungsverhältnisse oder Finanzierung eines Unternehmens berühren.

Die OECD nennt genau dieses Problem bei Erbschaftssteuern auf Familienunternehmen und weist darauf hin, dass zahlreiche Staaten deshalb Sonderregelungen vorsehen.

Das ist kein Argument dafür, Erbschaften grundsätzlich steuerfrei zu stellen.

Es ist ein Argument dafür, Unternehmensvermögen nicht so zu behandeln, als läge es als Bargeld im Tresor.

Unternehmer schaffen mehr als Unternehmen

Der Beitrag vermögender Unternehmer endet zudem nicht an der Werkstür.

Der Schweizer Unternehmer Heinrich Gebert stattete die Gebert Rüf Stiftung mit CHF 220 Millionen aus. Bis Ende 2025 hatte die Stiftung CHF 292,4 Millionen direkt in Projekte investiert. Nach eigenen Auswertungen führten 35 Prozent der untersuchten abgeschlossenen Projekte zur Gründung eines Start-ups.

In Deutschland investierte die Robert Bosch Stiftung allein 2025 rund 195 Millionen Euro in Gesundheit, Bildung und globale Themen. Seit ihrer Gründung hat sie mehr als 2,7 Milliarden Euro für gemeinnützige Arbeit bereitgestellt.

Das sind keine Ersatzargumente für Steuern.

Es sind Beispiele dafür, dass privates Vermögen gesellschaftliche Wirkung entfalten kann, ohne vorher durch einen Staatshaushalt zu laufen.

Eine pluralistische Gesellschaft besteht nicht nur aus Staat und Bürger.

Dazwischen liegen Unternehmen, Stiftungen, Vereine, Hochschulen, Mäzene, Investoren und private Initiativen.

Gerade diese Vielfalt begrenzt Macht.

Wirtschaftlicher Erfolg ist kein moralischer Makel

Hier verläuft die eigentliche Trennlinie der Debatte.

Man kann Vermögen vor allem als Verteilungsproblem betrachten.

Oder man kann zuerst fragen, wie dieses Vermögen entstanden ist und was es ermöglicht.

Natürlich verdient Vermögen aus Korruption, Betrug oder staatlichen Privilegien keinen besonderen Schutz.

Aber in einer Marktwirtschaft entsteht grosses Vermögen häufig dadurch, dass jemand ein Unternehmen gründet, Risiken übernimmt, Arbeitsplätze schafft, investiert und über Jahrzehnte Eigentümer bleibt.

Das Ergebnis anschliessend moralisch verdächtig zu machen, ist eine merkwürdige Botschaft an die nächste Generation von Unternehmern.

Der Staat kann besteuern. Unternehmertum kann er nicht verordnen.

Ein Staat kann Einkommen besteuern.

Er kann Vermögen besteuern.

Er kann Erbschaften besteuern.

Er kann Regeln verschärfen und neue Steuern erfinden.

Was er nicht per Gesetz herstellen kann, sind Risikobereitschaft, Vertrauen, Eigentümerverantwortung und unternehmerische Tradition.

Aus liberaler Sicht folgt daraus kein Staat ohne Steuern.

Es folgt ein zurückhaltender Staat, der weiss, dass seine eigene wirtschaftliche Grundlage ausserhalb des Staates entsteht.

Rechtssicherheit.

Eigentumsschutz.

Berechenbare Steuern.

Wettbewerb.

Und Respekt vor wirtschaftlichem Erfolg.

Die wichtigste Frage einer vernünftigen Standortpolitik lautet deshalb nicht:

Wie viel können wir erfolgreichen Menschen noch abnehmen?

Sondern:

Was müssen wir tun, damit Menschen, die Unternehmen gründen, Kapital investieren und Verantwortung übernehmen, auch morgen noch hier investieren wollen?

Denn wenn sie gehen, verliert ein Land vielleicht zuerst einen Steuerzahler.

Danach möglicherweise einen Investor.

Dann ein Entscheidungszentrum.

Später eine Stiftung.

Und irgendwann eine Unternehmergeneration.

Auf dem Steuerbescheid sieht man nur den ersten Verlust.

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Viele KI-Piloten sind noch kein Produktivitätsgewinn.

AXA baut einen Global AI Hub; eine erste Version läuft nach Angaben des Konzerns in fünf Einheiten. EIOPA berichtet, dass 65 Prozent der befragten Versicherer generative KI bereits nutzen und weitere 23 Prozent den Einsatz planen. Diese Zahlen beschreiben Verbreitung. Sie beweisen noch nicht, dass einzelne Prozesse besser geworden sind.

Für eine Leasinggesellschaft würde ich deshalb nicht die Zahl der Agenten zählen. Interessanter sind Bearbeitungszeit pro Antrag, Fehler in der Dokumentenprüfung, Qualität der Kreditvorlage und die Zeit bis zu einer qualifizierten Rückfrage.

Ein Pilot braucht einen Ausgangswert und einen Vergleich. Wenn die KI einen Entwurf in zwei Minuten erstellt, die fachliche Korrektur aber zwanzig Minuten kostet, ist wenig gewonnen. Wenn sie dagegen fehlende Belege früh erkennt und Rückläufe reduziert, entsteht Nutzen für Kunden und Team.

Die Organisation skaliert erst dann, wenn Qualität und Tempo gemeinsam messbar werden.

Welche Kennzahl würde bei Ihnen einen echten Fortschritt zeigen?

Quellen: https://www.axa.com/press/press-releases/axa-and-publicis-sapient-collaborate-to-deploy-global-ai-hub-at-scale
https://www.eiopa.europa.eu/publications/scaling-ai-finance-systemic-risks-resilience-and-european-sovereignty_en

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